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Von Westen dominierte Schifffahrtsordnung gerät durch aktuelle Konflikte ins Wanken

Kriege, einseitige Sanktionen und eine wachsende "Schattenflotte" setzen die jahrzehntelang geltenden Regeln der vom Westen dominierten globalen Schifffahrt unter Druck. 18 führende Seefahrtsnationen warnen vor einem grundlegenden Wandel – mit möglichen Folgen für den Welthandel und die globalen Lieferketten.
Von Westen dominierte Schifffahrtsordnung gerät durch aktuelle Konflikte ins Wanken

Die Regeln für die globale Schifffahrt geraten nach Einschätzung der größten Seefahrtsnationen zunehmend ins Wanken. Kriege und eine wachsende "Schattenflotte", die außerhalb westlicher Kontrolle operiert, setzen das jahrzehntelang geltende Prinzip der freien Schifffahrt und der Neutralität von Handelsschiffen unter Druck.

Eine Gruppe von 18 führenden Schifffahrtsnationen warnt: Der Zerfall dieser Grundsätze stelle eine erhebliche Gefahr für den Welthandel dar. Das berichtet Financial Times am Dienstag. "Ohne den Seehandel würden Lieferketten auseinanderbrechen und die Weltwirtschaft, wie wir sie kennen, plötzlich zum Stillstand kommen", heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung.

Der Kampf um die Kontrolle der Straße von Hormus, die Covid-19-Pandemie und die infolge westlicher Sanktionen entstandene Schattenflotte seien keine "vorübergehenden Schocks", sondern vielmehr "Anzeichen für einen strukturellen Wandel der Rahmenbedingungen des globalen Handels", erklärte die Consultative Shipping Group. Ihre Mitglieder stehen demnach für mehr als ein Fünftel des weltweiten Handelsvolumens, gemessen an der Tonnage.

Die Erklärung ist die erste öffentliche Stellungnahme der CSG seit ihrer Gründung vor mehr als 60 Jahren. Zu den Mitgliedern der Gruppe gehören unter anderem Griechenland, Singapur, Dänemark, Japan, Kanada, Großbritannien, die Niederlande und Südkorea.

"Schifffahrtsrouten werden zunehmend zu Instrumenten, mit denen Druck ausgeübt und Risiken geschaffen werden", warnte die CSG. Die jüngsten Ereignisse zeigten, wie "fragil" das System des Seehandels sein könne.

Mehr als 80 Prozent des Welthandels werden auf dem Seeweg transportiert. Die Schifffahrt unterliegt dabei den Regeln der IMO. Die Organisation selbst wurde 1948 formell gegründet. 

Aufgrund ihrer zentralen Rolle im Welthandel sind Handelsschiffe zunehmend zu Zielen und Druckmitteln in geopolitischen Auseinandersetzungen geworden: Russland, die Ukraine, die USA und Iran haben in diesem Jahr im Rahmen von Konflikten zivile Schiffe angegriffen, hieß es in FT. Zugleich hat Iran mit seinen Bemühungen, in der Straße von Hormus ein gebührenpflichtiges Regime zu etablieren, die Verwundbarkeit wichtiger maritimer Engpässe erneut deutlich gemacht.

Teheran erklärte am Montag, eine Vereinbarung mit Oman zur Regelung der Schifffahrt durch die Meerenge stehe kurz vor dem Abschluss. Durch die Straße von Hormus, über die zuvor rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasangebots transportiert wurde, ist allerdings unklar, ob künftig eine Gebühr erhoben werden soll.

Reeder und maritime Organisationen warnen: Eine solche Gebühr würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen und könnte andere Anrainerstaaten wichtiger Engpässe dazu ermutigen, diesem Beispiel zu folgen.

Gleichzeitig haben die Sanktionen der USA, der EU und Großbritanniens gegen Russland und Iran zum raschen Wachstum einer im Westen sogenannten "Schattenflotte" von Öltankern geführt. Nach Angaben von TankerTrackers.com umfasst sie inzwischen mehr als 1.500 Schiffe – fast ein Fünftel der weltweiten Tankerflotte. Nahezu alle diese Schiffe verfügen nicht über eine herkömmliche Versicherung.

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